Schottergärten – Feinde der Artenvielfalt

Schottergärten liegen im Trend. Hat einmal jemand um seine Liegenschaft eine Landschaft aus Schotter, Splitt und Kies angelegt, folgt bald schon der Nachbar und nimmt die Idee auf, um sich den Pflegeaufwand für seinen Garten zu sparen. Denn Schottergärten brauchen weder Pflege noch Wasser. Und wenn auch manche dieser Flächen wie Einöden wirken, so präsentieren sich andere mit ihren streng geometrischen Linien, verschiedenen Steingrössen und reizvollen Farbkombination durchaus attraktiv. Doch aus ökologischer Sicht sind solche Steinwüsten eine Katastrophe.

Warum Schottergärten problematisch sind

Um die Problematik von Schottergärten zu verstehen, muss man wissen, wie sie aufgebaut sind. In der Regel wird auf den planierten Boden ein wasserdurchlässiges Gewebe gelegt, das hinfallende Samen vom Boden fernhalten soll. In einigen Fällen kommen auch Folien oder Beton zur Anwendung. Auf dieses Zwischenvlies kommt eine Schotterschicht, die genügend hoch ist, um das Gewebe darunter zu verbergen. Oft wird mit Gesteinen unterschiedlicher Grösse und Farbe gespielt. Markante Steine, Findlinge oder Steinsäulen bilden Blickpunkte. Sofern überhaupt eine Bepflanzung vorgesehen ist, werden nur vereinzelt Pflanzen eingesetzt – sei es durch Einschnittlöcher im Bodenvlies oder in Pflanzkübeln. Häufig sind es immergrüne, in Form geschnittene Koniferen, Buchs oder Bonsai-Gewächse, die im Winter kein Laub verlieren. Wie die Steinfläche sehen auch sie das ganze Jahr über gleich aus. Manchmal kommen auch Gräser oder andere Stauden zum Einsatz.

Lebensfeindliche Zonen

Schottergärten sind artenarme, tote Gärten, die keinem einzigen Tier Nahrung oder Unterschlupf gewähren. Nicht einmal Eidechsen fühlen sich hier wohl, da sie sich wegen der Vliesbarriere nicht in die Erde eingraben können. Weder Bienen noch andere Insekten finden im Schottergarten eine Blüte als Nahrungsquelle, den Vögeln fehlt es an Beeren und Samenkapseln. Doch auch die Lebenswelt unter der Erde stirbt ab. Mit seinem Gewicht verdichtet der Steinteppich den Boden und macht den Regenwürmern und anderen Bodentieren zu schaffen. Weil die Mikroorganismen im Boden fehlen, um organischen Dünger zu zersetzen, muss auf Kunstdünger zurückgegriffen werden.

Hitzeverstärker im Sommer

Nebst ihrer ökologischen Wertlosigkeit heizen Steinflächen sich im Sommer stark auf und speichern die Wärme bis in die späten Abendstunden. Während Pflanzen bei Hitze Wasser aus dem Boden aufnehmen und über die Blätter verdunsten, entfällt ihre kühlende Wirkung im Schottergarten. Besonders in Städten oder bei gehäuftem Vorkommen beeinflussen diese Steinwüsten das Mikroklima und heizen die Umgebung zusätzlich auf.

Pflege gegen die Natur

Ganz so pflegeleicht wie erhofft, sind Schottergärten übrigens auch nicht. So müssen von Zeit zu Zeit neue Steine nachgefüllt werden. Über dem Zwischenvlies bildet sich mit der Zeit aus Staub, Laub und anderen organischen Ablagerungen ein keimtauglicher Untergrund, auf dem das Unkraut trotzdem wächst. Um diesen Prozess zu verzögern, ist eine regelmässige Reinigung der Flächen mit dem Laubbläser nötig. Erscheint das unerwünschte Unkraut dann doch, ist es nur mühsam zwischen den Steinbrocken zu entfernen. Also muss es abgeflammt werden. Im schlimmsten Fall kommen gar giftige (verbotene) Herbizide zum Einsatz. Ein weiteres Problem ist, dass der versiegelte Boden zu mehr Abwasser sowie Hangrutschgefahr führen kann.

Es geht auch anders: kleine vielseitige Lebensräume

Es ist hinlänglich bekannt, dass die ökologische Vielfalt nicht nur für das Überleben von Insekten und Tieren zentral ist, sondern auch als Existenzgrundlage des Menschen. Eine bedeutende Bedrohung für die Biodiversität ist die Zerstückelung der Lebensräume. Hier können sowohl Private wie Firmen oder die öffentliche Hand einen Beitrag leisten. Jedes noch so kleine Stück Land, auf dem eine Blume blüht oder ein Busch Früchte trägt, bietet einem Lebewesen Nahrung. Dem weitverbreiteten Wunsch, kostengünstig Böschungen, Rabatten und Vorgärten anzulegen, die leicht zu pflegen sind, kann man auch anders als mit Schottergärten entgegengekommen. Gezielt platziert, können Steine und Schotter dabei durchaus als attraktives Gestaltungselement eingesetzt werden. Mit dem Fachwissen des Gärtners lassen sich selbst aus kleinsten Flächen ökologisch wertvolle Lebensräume mit Farbtupfern aus pflegeleichten heimischen Staudenpflanzen schaffen.